Oliver Pocher...

Das verletzte Ego des Berufsempörten
Man muss in diesen Tagen tiefes Mitgefühl mit Oliver Pocher haben. Ja, Sie haben richtig gehört. Der Mann, der seine Karriere darauf aufgebaut hat, die intimsten Geheimnisse wildfremder Menschen mit der Feinfühligkeit eines herbeistürzenden Abrissbaggers in die Kamera zu brüllen, sitzt weinend vor seinem Smartphone.
Was ist geschehen? Seine Ex-Frau Amira Aly erwartet ein Kind von ihrem neuen Partner. Eine Nachricht, die das Herz jedes normalen Menschen mit einer Mischung aus Freude und dem dringenden Bedürfnis, Strampler zu kaufen, erfüllt. Nicht so bei unserem National-Olli. Er erfuhr es – man wagt es kaum auszusprechen – aus der BILD-Zeitung!
„Ich finde es beschissen und respektlos“, wetterte er in seinem Podcast. Gratulieren? Ausgeschlossen!
Die Pflichten einer Ex-Frau
Da fragt man sich doch glatt, wo die Manieren geblieben sind. Es gehört sich schließlich so, dass eine Ex-Frau beim ersten positiven Schwangerschaftstest nicht etwa den werdenden Vater, den Frauenarzt oder die eigene Mutter informiert. Nein!
Der korrekte Ablauf im Hause Pocher-Aly hätte wie folgt aussehen müssen:
Minute 1: Der Test zeigt schwanger.
Minute 2: Amira zündet eine päpstliche Rauchpatrone (weißer Rauch für „Es wird ein Baby“, schwarzer Rauch für „Es war nur ein Fehlalarm“) auf dem Balkon.
Minute 3: Eine Eildepesche, handsigniert und per reitendem Boten, wird direkt in das Aufnahmestudio des Pocher-Podcasts geliefert.
Dass Amira diesen diplomatischen Protokollschritt einfach übergangen hat, grenzt an ein internationales Verbrechen. Es ist ungefähr so, als würde der Chef der Bundesbank aus den Fernsehnachrichten erfahren, dass die Zinsen sinken, oder als ob der Wetterbericht vergisst, dem Kachelmann Bescheid zu sagen, dass es regnet.
Ein Herz aus sensiblem Glas
Es ist schon rührend: Pocher, der Erfinder der verbalen Blutgrätsche, der Mann, der andere Künstlerexistenzen im Vorbeigehen via Instagram-Story demontiert und dessen Humorzentrum traditionell knapp drei Zentimeter unterhalb der Gürtellinie liegt, entdeckt plötzlich seine verletzliche Seite. Wenn er die schmutzige Wäsche anderer Leute wäscht, ist das „Unterhaltung“. Wenn seine Ex-Frau ihre eigene Wäsche lieber privat im Keller wäscht, ist das ein „respektloser Akt“.
Das erinnert stark an den legendären Boxer, der jahrelang seine Gegner im Ring K.O. schlägt, sich dann aber beim Schiedsrichter beschwert, weil ihm jemand beim Händeschütteln zu fest die Finger gedrückt hat.
Die Pocher-App als moralische Instanz
Besonders elegant ist auch der Ort der Abrechnung: der eigene Podcast in der exklusiven Pocher-App. Hier wird das persönliche Drama direkt monetarisiert. Frei nach dem Motto: „Ich bin zwar unendlich traurig, aber wenn ihr 4,99 Euro im Monat zahlt, dürft ihr mir beim Weinen zusehen.“
Vielleicht sollte Amira beim nächsten Kind einfach ein exklusives Abo seiner App abschließen. Dann kann sie ihm die frohe Botschaft per Push-Benachrichtigung schicken. Ganz geschäftsmäßig. Denn unter Comedians gilt ja bekanntlich: Hauptsache, die Kasse stimmt – auch wenn das Herz gerade blutet.
Foto: KI




