WM 2026: Wenn jeder mitspeilen darf...

... ist Ausscheiden schon Tradition
Früher war eine Fußball-Weltmeisterschaft etwas Besonderes. Ein Turnier für die Besten. Ein Fest, das alle vier Jahre stattfand und bei dem sich Nationen qualifizieren mussten, die zumindest gelegentlich einen Ball von einer Kokosnuss unterscheiden konnten.
2026 wird alles anders. Die FIFA serviert uns 48 Mannschaften und 104 Spiele. 104! Das sind mehr Partien als manche Ehepaare in zehn Jahren miteinander führen. Wer da noch den Überblick behält, bekommt vermutlich direkt die Trainerlizenz.
Die WM wird damit zum XXL-Familienbuffet des Weltfußballs. Jeder darf mal ran. Das Motto lautet nicht mehr „Möge der Beste gewinnen“, sondern eher „Hat noch jemand einen Platz frei?“.
Dabeisein ist das neue Gewinnen
Früher mussten Mannschaften um jeden Qualifikationsplatz kämpfen. Heute wirkt es, als bekäme jedes Land mit einem Strand, einem Stadion und einem halbwegs funktionierenden Flughafen automatisch einen Startplatz.
Man wartet eigentlich nur noch auf die Meldung:
„Die Färöer-Inseln qualifizieren sich nach einem überzeugenden 0:0 gegen Liechtenstein.“
Oder: „San Marino erreicht erstmals die K.o.-Phase, nachdem der Gegner aus Versehen den Mannschaftsbus verpasst hat.“
Selbst die Bundesjugendspiele waren früher selektiver.
Die Inflation der Großereignisse
Was früher ein Festmahl war, erinnert inzwischen an eine All-inclusive-Anlage. Es gibt rund um die Uhr Fußball. Morgens Gruppenphase, mittags Gruppenphase, abends Gruppenphase.
Wer nach dem 73. Spiel noch begeistert „Endlich Fußball!“ ruft, schaut vermutlich auch alle Wiederholungen des Wetterberichts.
Natürlich wird argumentiert, mehr Spiele bedeuteten mehr Spannung. Das ist ungefähr so logisch, wie zu behaupten, dass ein zwölfstündiger Zahnarztbesuch doppelt so viel Freude macht wie ein sechs Stunden langer.
Lamine Yamal und die Kunst der Erwartungsbremse
Besonders schön ist die Geschichte um Lamine Yamal. Ganz Spanien erwartet den Wunderknaben, die Fernsehsender haben bereits Spezialsendungen vorbereitet, Experten diskutieren über seine Frisur und irgendwo wird wahrscheinlich schon eine Statue gegossen.
Und dann?
Bank.
Das ist ungefähr so, als würde man im Restaurant das teuerste Steak bestellen und der Kellner erklärt:
„Das liegt noch etwas im Kühlschrank. Genießen Sie bis dahin die Brotkörbchen.“
Oder wie beim Oktoberfest, wenn man zwei Stunden auf einen Tisch wartet und dann einen Platz neben den Toiletten bekommt.
Die Botschaft ist klar: Selbst Superstars müssen manchmal zuschauen. Vermutlich wollte der Trainer der Nation demonstrieren, dass bei einer WM mit 104 Spielen genügend Zeit bleibt. Notfalls spielt Lamine eben beim 87. Spiel.
Bald mit 96 Mannschaften?
Die FIFA wird aus den Rekordzahlen ihre üblichen Schlüsse ziehen. Wenn 48 Teams gut sind, müssen 96 Teams fantastisch sein.
Dann könnten auch Monaco, Grönland und die freiwillige Feuerwehr von Hinteroberunterdorf um den Titel spielen. Die Vorrunde würde bis Ostern dauern und das Finale pünktlich zur nächsten WM angepfiffen werden.
Vielleicht ist das die Zukunft des Fußballs.
Nicht mehr „Wer ist der Beste?“, sondern:
„Wer ist eigentlich noch nicht dabei?“
Die Lektion des Tages
Je größer ein Turnier wird, desto kleiner wird das Besondere daran. Und wenn irgendwann jeder teilnehmen darf, bleibt nur noch die spannende Frage, wer diesmal als Weltmeister aus 104 Folgen „Fußball – Staffel 2026“ hervorgeht.




