Es gab eine Zeit, da saß Sepp Blatter auf dem FIFA-Thron wie ein überreifer Monarch in Zürich. Um ihn herum: Korruptionsvorwürfe, Verhaftungen, Rücktritte, Funktionäre mit plötzlichen Gedächtnislücken. Die Welt des Fußballs seufzte kollektiv: „Schlimmer kann es nicht werden.“
Ein Satz, der bekanntlich das Universum provoziert. Dann kam Gianni Infantino. Der Reformer. Der Aufräumer. Der Mann mit der Stirnfalte des Vertrauens und dem Lächeln eines Sparkassenberaters kurz vor Vertragsabschluss. Alles sollte transparenter werden. Sauberer. Moralischer. Kurz: besser. Heute wissen wir: Es wurde größer. Und größer heißt bei der FIFA nie kleineres Übel, sondern einfach nur mehr vom Gleichen – mit besserem Marketing.
Unter Blatter war vieles fragwürdig. Unter Infantino wurde es ambitioniert.
Eine Fußball-Weltmeisterschaft in Katar – im Sommer geplant, dann in den Winter verlegt, gespielt in klimatisierten Stadien mitten in der Wüste. Nachhaltigkeit, neu gedacht: Man kühlt einfach die Hitze weg. Man fragt sich unwillkürlich:
Wenn schon Wüste – warum nicht gleich auf dem Mond?
Zumindest gäbe es dort weniger Diskussionen über Arbeitsrechte. Ironisch am Rande: Während diese WM vorbereitet wurde, wohnte Blatter gemütlich in der Schweiz. Skandalös ruhig. Keine Yachten, keine Paläste. Fast verdächtig bodenständig. Und Infantino? Nun ja.
Infantino verlegte seinen Wohnsitz nach Katar. Zufällig natürlich. Rein privat. Wegen der Kultur. Oder des Wetters. Oder der Nähe zu klimatisierten Konferenzräumen mit Milliardenblick. Man muss ihm eines lassen:
Wo andere Präsidenten regieren, residiert Infantino gleich dort, wo das Geld parkt. Effizienz nennt man das. Oder Loyalität. Je nach Kontostand.
Infantino liebt die große Bühne. Und die Bühne liebt Infantino.
Kein Gipfel, kein Staatschef, kein Selfie-Potenzial wird ausgelassen. Besonders innig: Das demonstrative Schulterklopfen mit Donald Trump. Das ist kein Schleimen – das ist internationales Networking mit Gleitcreme.
Denn wo Macht ist, da ist Infantino. Und wo Infantino ist, steht garantiert irgendwo ein FIFA-Logo, ein Lächeln und ein Vertrag, den man besser nicht zu genau liest.
Die zentrale Botschaft dieser Präsidentschaft lautet:
Der Fußball darf alles – außer stehen bleiben. Menschenrechte? Verhandelbar.
Arbeitsbedingungen? Kontextabhängig.
Kritik? Willkommen, solange sie niemanden vom Bezahlen abhält. Infantino wirkt dabei wie der CEO einer globalen Religion, deren einziges Gebot lautet:
„Der Ball muss rollen – und das Geld gleich hinterher.“
Man wünschte sich einst einen neuen Präsidenten, um Blatter loszuwerden.
Man bekam Infantino – und lernte:
Es gibt keine saubere Revolution im Weltfußball. Nur bessere PR.
Blatter war der Pate im Hinterzimmer.
Infantino ist der Influencer im Rampenlicht. Und die FIFA?
Die lacht. Klimatisiert. In der Wüste.
Foto: Punch Newspapers