In der ehrwürdigen Zentrale des FC Bayern München herrschte in letzter Zeit eine Stimmung, als hätte man gerade erfahren, dass die Weißwurst-Zufuhr auf unbestimmte Zeit eingestellt wurde. Man wollte „konsolidieren“. Ein schönes Wort, fast so klangvoll wie eine gut geölte Steuerspar-Oase. Doch dann kam die Vertragsverlängerung von Alphonso Davies.Man öffnete nicht nur den Geldbeutel, sondern direkt die Büchse der Pandora. Kaum war die Tinte trocken, schallte es aus den Smartphones der restlichen Belegschaft: „Wenn der Roadrunner einen Goldschatz kriegt, wo bleibt eigentlich mein privater Hubschrauberlandeplatz?“
Besonders laut hallte dieser Ruf aus dem Lager von Dayot Upamecano. Wir erinnern uns: Dayot war jahrelang der Robin Hood der gegnerischen Stürmer. Er verteilte großzügig Geschenke in Form von „Böcken“, die so kapital waren, dass sie in jedem bayerischen Forstamt als Trophäe durchgegangen wären. Er war die personifizierte Wundertüte – man wusste nie, ob er den Ball klärt oder den Gegner direkt zum Tee im eigenen Fünfmeterraum einlädt.Doch unter Vincent Kompany geschah das Wunder. Seit Jonathan Tah neben ihm steht und ihn „führt“ (was im Fußball-Jargon wohl bedeutet: „Dayot, bleib bitte stehen, wo du bist, und fass den Ball nur an, wenn ich es sage“), spielt er fehlerfrei. Er ist stabil. Ein ganzes Jahr lang! Das ist in der Welt des Fußballs ungefähr so viel wert wie eine Heiligsprechung nach dem ersten fehlerfreien Vaterunser.
Prompt klopften seine Berater an die Tür von Max Eberl. Und sie kamen nicht etwa mit einer Schachtel Pralinen als Dankeschön für die jahrelange Geduld des Vereins. Nein, sie forderten das „All-inclusive-Paket für angehende Götter“:
Es ist schon rührend: Ein Spieler spielt ein Jahr lang ohne nennenswerte Katastrophen, und seine Berater führen sich auf, als hätten sie das Rad, das Feuer und den fehlerfreien Rückpass gleichzeitig erfunden. Diese „nimmersatten“ Herren scheinen ihre Taschen mit schwarzer Materie gefüttert zu haben – egal wie viel Geld man hineinstopft, es herrscht immer noch gähnende Leere.
Wenn Upamecano nun verdient, als hätte er die Champions League im Alleingang und mit verbundenen Augen gewonnen – was machen wir dann mit Jonathan Tah? Wenn Tah derjenige ist, der Upamecano erst „führbar“ gemacht hat, müsste er dann nicht eigentlich das Doppelte bekommen? Plus eine Prämie für „pädagogische Sonderleistungen im Bereich der Hochrisiko-Abwehr“?Am Ende stünde eine Gehaltsliste, gegen die der Haushalt eines mittelgroßen europäischen Staates wie das Taschengeld eines Chorknaben wirkt.
Erst ein herzhaftes bayerisches „Bis hierher und nicht weiter!“ in Form eines Ultimatums schien den Wahnsinn zu bremsen. Der FC Bayern ging an die Schmerzgrenze – und wir wissen alle, dass diese Grenze beim FCB normalerweise dort liegt, wo andere Vereine bereits Insolvenz anmelden würden.Man darf gespannt sein, ob die Berater nun einsehen, dass man für ein Jahr „Unfallfreiheit“ nicht gleich das Schloss Neuschwanstein als Dienstwohnung verlangen kann. Oder ob sie als Nächstes fordern, dass die Allianz Arena in „Dayot-Dôme“ umbenannt wird.In diesem Sinne: Pack ma’s – aber bitte kleingeldgerecht!
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