27 Apr
27Apr

Es gibt Dinge im Leben, die man einfach akzeptieren muss. Den Tod. Die Steuererklärung. Und dass Bayern München Meister wird. 13 der letzten 14 Meisterschaften gingen nach München. Zur Einordnung: Das ist die Trefferquote eines Menschen, der darauf besteht, jeden Morgen zu gewinnen, weil er der einzige ist, der aufsteht. 

Die Bundesliga präsentiert sich derweil mit dem Optimismus einer Meteorologin, die jeden Frühling verkündet: „Und wieder könnte es nächsten Monat Sommer werden!" Könnte. Theoretisch. Wenn man Bayern als Naturkatastrophe mal herausrechnet. Was man nicht darf. Weil sie spielen.


Der Kakadu als Erlösung

Das Schönste an dieser Saison — und damit meine ich wirklich das objektiv Schönste,  ist die Entdeckung des Keramik-Kakadus in einem Münchner Feinschmeckerrestaurant. Ein zufällig gefundener Deko-Vogel aus Ton oder Plastik, den die Mannschaft seither als Maskottchen durch die Kabinen und Siegesfeiern trägt. Man stelle sich das bei einem Erstliga-Konkurrenten vor. Ein Dortmunder Spieler findet im Pottküche-Imbiss eine angebissene Plastikente und stellt sie auf den Tresen. „Das ist unser Zeichen." Die Bundesliga würde einfach zusammenbrechen. Bayern München hingegen findet einen Keramikvogel und die halbe Sportwelt schreibt ehrfürchtige Features darüber. Symbolkraft. Zufallsmagie. Das neue Wappentier des Erfolgs. Ein Kakadu. In einem Restaurant. Der Verein hat einen Jahresetat von über 800 Millionen Euro.


Das kollektive Staunen als Jahresritual

Was mich wirklich fasziniert, ist die alljährliche Überraschung. Pünktlich im April, wenn die Tabelle sich formt wie jedes Jahr, erscheinen die Experten. Im Fernsehen. In Podcasts. In Zeitungen. „Dieses Jahr könnte es wirklich knapp werden." Es wird nie knapp. Oder wenn, dann kurz. Dann hört es auf, knapp zu sein. Dann ist Bayern Meister. Wieder. Das Ritual hat etwas zutiefst Tröstliches. Wie Weihnachten. Man weiß, wie es endet. Man freut sich trotzdem. Man kauft die gleichen Geschenke. Man singt das gleiche Lied. Man schaut die gleiche Tabelle und sagt: Diesmal vielleicht.


Die anderen Vereine: Eine Würdigung

Natürlich wäre es unfair, die übrigen 17 Bundesligisten zu vergessen. Sie leisten wichtige Arbeit. Sie sorgen dafür, dass Bayern überhaupt jemanden hat, gegen den sie spielen. Das ist nicht nichts. Das ist Infrastruktur. Der BVB zum Beispiel ist in einer ganz besonderen Rolle gefangen: zu gut für Platz 3, zu traumatisiert für Platz 1. Eine Art ewiges Silber, das sich selbst für Gold hält, solange man nicht zu genau hinschaut. Manchmal hilft das. Manchmal in der letzten Minute. Manchmal auch gar nicht.


Die Frage, die niemand stellt

Irgendwann muss man sich als Bundesliga-Fan die eigentlich relevante Frage stellen: Wann genau ist kollektive Spannung Selbstbetrug, und wann ist sie Sport? Der Unterschied zum Beispiel zu einer Sportart, bei der der Ausgang offen ist, wäre: der Ausgang. Aber das klingt jetzt gemein. Und das will ich nicht. Der Kakadu hat nichts dafür gekonnt, dass er in einem Münchner Restaurant stand. Er hat einfach existiert — aus Ton oder Plastik — und irgendein Fußballer hat ihn mitgenommen. Das, ehrlich gesagt, ist das Menschlichste an der ganzen Geschichte.


Nächstes Jahr übrigens: könnte knapp werden. 😉

Foto: KI

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