Die Szenerie: Das Kanzleramt, dekoriert mit schwarz-rot-goldenen Girlanden, die etwas zu straff gespannt sind. Bundeskanzler Friedrich Merz sitzt als „Miss Sophie“ am Kopfende. Er trägt eine Krawatte, die so fest sitzt wie sein Glaube an den Mittelstand. An seiner Seite: Butler James (gespielt von einem sichtlich erschöpften Carsten Linnemann).
Der Sketch-Verlauf:
1. Die imaginäre Gästeliste (Die gebrochenen Versprechen): An der Tafel sitzen die Geister der Wahlkampf-Versprechen 2024/25, die Merz nun bewirten muss, obwohl sie eigentlich schon im Müllschlucker der Realpolitik gelandet sind:
• Sir Toby (Die Kernkraft): Merz prostet dem leeren Stuhl zu. „Ein Schlückchen Uran-Saft, Sir Toby?“ James flüstert: „Sir, wir haben die Laufzeiten doch im Koalitionsvertrag mit der SPD begraben...“ Merz (ignorant): „Egal, James! Gießen Sie ein! Die Optik zählt!“
• Admiral von Schneider (Die Abschaffung des Heizungsgesetzes): James stolpert über den Kopf des Fiskal-Tigers. „Soll ich dem Admiral die Wärmepumpe servieren?“ Merz: „Nein, James, wir nennen es jetzt einfach ‚Nachhaltigkeits-Flexibilisierung‘. Dann merkt keiner, dass es noch da ist.“
• Mr. Pommeroy (Die Brandmauer): Der Stuhl ganz rechts außen steht verdächtig nah am Tisch. James schaut nervös zur Tür. „Soll ich... den Gast von ganz rechts auch bedienen?“ Merz (bestimmt): „Es gibt keinen Gast rechts von uns, James. Das ist nur ein Schatten. Ein sehr blauer Schatten.“
2. Das Stolpern über den Tiger: Der Tigerteppich trägt den Namen „Schuldenbremse“. James stolpert jedes Mal drüber, wenn er versucht, Investitionen in die Infrastruktur zu servieren.
James: „Muss dieses Biest hier immer noch liegen, Sir? Das Land stolpert ständig drüber!“ Merz: „Tradition, James! Wir springen drüber. Oder wir fliegen mit der Maschine einfach drüber hinweg.“
3. Der Hauptgang: „Lauwarmer Mittelstand an faden Reformen“ James muss für alle Gäste mittrinken: Einen Schluck „Steuersenkungs-Sekt“ (schmeckt wie Leitungswasser, war aber teuer versprochen). Einen kräftigen Zug „Bürokratie-Abbau-Absinth“ (macht blind für die Realität). James lallt mittlerweile: „I'll do my very best... aber die SPD will nicht, die Grünen meckern und mein eigenes Kabinett fragt nach dem Weg...“
4. Das Finale: Merz führt James (oder James ihn?) die Treppe hinauf zur nächsten Umfrage-Runde. Merz: „The same procedure as last year, James?“ James (mit Blick auf die Landtagswahlen 2026): „The same procedure as every Wahlperiode, Herr Bundeskanzler... wir versprechen das Blaue vom Himmel und wundern uns, warum die Leute am Ende ‚Blau‘ wählen.“
Das Fazit: Ein Prosit auf die politische Amnesie. Was lernen wir also aus diesem exklusiven Kanzler-Dinner? Dass Politik in Deutschland wie ein guter Sketch von 1963 ist: Man weiß eigentlich schon nach den ersten fünf Minuten, wie es ausgeht, aber man schaut trotzdem fasziniert zu, wie der Hauptdarsteller zielsicher die Orientierung verliert. Friedrich Merz hat uns gezeigt, dass man die „Brandmauer“ wunderbar als Raumteiler nutzen kann, um die unangenehmen Gäste einfach auszublenden. Und während James (Linnemann) sich beim Trinken auf das Wohl abwesender Reformen die Leber ruiniert, bleibt uns als Zuschauern nur die Erkenntnis: Das Neue Jahr 2026 wird genau wie das Alte – nur mit teurerem Sekt, mehr Flugstunden im Privatjet und der beruhigenden Gewissheit, dass ein Wahlversprechen nur so lange haltbar ist wie das Feuerwerk um Mitternacht. Sobald der Rauch verflogen ist, bleibt meistens nur der Dreck auf der Straße und ein Kater, den der Steuerzahler allein auskurieren darf.
In diesem Sinne: I’ll do my very best – und wenn alles schiefgeht, war es im Zweifel die vorherige Regierung. Oder der Tiger. Guten Rutsch ins Chaos!
Euer Pep Ironie
Foto: Tagesspiegel