Es gibt Menschen, die im stillen Kämmerlein Großes vollbringen. Und dann gibt es Donald Trump, der Großes vollbringt — und zwar so laut, dass die Nachbarn bis Teheran es hören können.
Lassen Sie uns kurz innehalten und diesem Mann den Respekt zollen, den er sich selbst bereits in mehrfacher Ausfertigung gezollt hat. Der 47. Präsident der Vereinigten Staaten hat nach eigenen Angaben acht Kriege beendet — und findet es schlichtweg skandalös, dass das norwegische Nobelkomitee ihn dafür nicht mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet hat. „Norwegen hat ein echtes Eigentor geschossen", soll er gesagt haben. Man stelle sich vor: Norwegen. Das Land, das seit Jahrzehnten unbescholten Preise vergibt, schießt ein Eigentor. Gegen sich selbst. Mit dem Ball des Weltfriedens. Den Trump aufgepumpt hat.
Die taz verglich Trump mit dem tapferen Schneiderlein aus den Märchen der Gebrüder Grimm, das sich zum Helden aufplusterte, weil es sieben Fliegen mit einem Klatsch erledigte. Das ist natürlich unfair. Das Schneiderlein hatte schließlich keinen Truth Social-Account. Schauen wir uns die Friedensleistungen im Detail an, denn Details sind das A und O beim Weltfrieden:
Thailand und Kambodscha: Trump schaltete sich per Telefon ein und drohte beiden Seiten mit dem Abbruch laufender Handelsverhandlungen. Keine langen Verhandlungen, keine Diplomaten, kein Kissinger-Moment — einfach: „Entweder ihr hört auf euch zu prügeln, oder ich kaufe eure Waren nicht mehr." Das Ergebnis? Eine Ende Juli nach fünftägigen Kämpfen vereinbarte Waffenruhe gilt als brüchig. Brüchiger Frieden ist bekanntlich das Beste, was der Markt gerade hergibt.
Ruanda und Kongo: Trump ließ sich für den Friedensvertrag feiern — und nebenbei sollten auch lukrative Deals ermöglicht werden. Frieden UND Rohstoffe. Effizienz pur. Das nennt man in der Branche einen "Two-for-one-Deal". Dass die Kämpfe danach wieder aufflammten, ist ein rein technisches Detail.
Serbien und Kosovo: Hier beweist Trump besonderes Geschick, denn in diesem Konflikt gab es gar keine Kampfhandlungen, die er hätte beenden müssen. Das macht es zum effizientesten Friedensprojekt seiner Amtszeit. Nullaufwand, voller Kredit.
Indien und Pakistan: Trump soll den Krieg zwischen den Atommächten beendet haben, als dieser bereits eine Woche lang tobte — und das nur durch die Androhung exorbitanter Strafzölle. Während Pakistan ihn daraufhin für den Friedensnobelpreis vorschlug, wies Indien jede Rolle Washingtons zurück. Halb gut, halb schlecht — aber Trump würde sagen: Das ist eine Win-Rate von 50%, die beste Win-Rate aller Zeiten.
Putin soll Trump angerufen und gesagt haben: „Ich kann nicht glauben, dass du diesen und jenen Krieg beendet hast — das ist unmöglich!" Wenn Wladimir Putin sagt, etwas ist unmöglich — und es trotzdem passiert ist — dann muss es wirklich etwas Besonderes sein. Kein Verdacht, dass Putin hier vielleicht ein kleines Eigeninteresse hatte, Trump zu schmeicheln. Nein, nein. Kurz zur innenpolitischen Komponente: Trump sieht sich als Präsident des „Friedens" — obwohl er das US-Militär auf einen „Krieg von innen" eingestimmt und Soldaten in von Demokraten regierte Städte wie Los Angeles und Washington entsandt hat. Man könnte das einen Widerspruch nennen. Trump nennt es "Produktdiversifizierung".
Und nun, meine Damen und Herren, zum Glanzstück. Während Trump einerseits den Friedensnobelpreis fordert, schrieb er gleichzeitig auf Truth Social — seiner Plattform für feinste präsidiale Prosa: „Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht sterben und niemals zurückkehren." Man muss das kurz sacken lassen. Der Friedensfürst droht mit der Auslöschung einer Zivilisation. Das ist ungefähr so, als würde ein Feuerwehrmann mit einem Flammenwerfer auftauchen und sagen: "Ich möchte nicht, dass das Haus abbrennt. Aber wahrscheinlich wird es das." „Ich möchte nicht, dass das geschieht, aber es wird wohl so kommen", schrieb er dann tatsächlich dazu. Das ist das diplomatische Äquivalent zu: „Ich möchte dir keinen Schlag geben, aber meine Faust fliegt gerade auf dein Gesicht zu." UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk nannte die Äußerungen inakzeptabel und erklärte: „Das ist widerwärtig." Türk ist offensichtlich kein Fan des neuen Friedensstils.
Vor dem Hintergrund des Grönland-Konflikts erklärte Trump, er fühle sich „nicht mehr verpflichtet, ausschließlich an Frieden zu denken". Das ist die eleganteste Abkehr von der eigenen Marke, die je vollzogen wurde. Coca-Cola sagte nie: "Wir fühlen uns nicht mehr verpflichtet, ausschließlich an Erfrischung zu denken." Obama hatte in seiner Rede zur Verleihung des Friedensnobelpreises darauf hingewiesen, dass er gerade zwei Kriege führt — aber das war wenigstens nach der Verleihung. Trump dreht das Modell elegant um: Erst Kriege führen, dann den Preis fordern. Innovation.
Trumps Ultimaten und Drohungen gehören zu seinem festen Repertoire im Umgang mit anderen Staaten. Häufig zieht er sie in letzter Minute zurück und erklärt einen Erfolg oder eine Einigung. Das ist tatsächlich eine Methode. Man könnte sie nennen: "Pyromane mit Löscheimer-Abonnement". Norwegen hat also ein Eigentor geschossen. Sagen wir es so: Wenn der Friedensnobelpreis eines Tages an jemanden geht, der einer ganzen Zivilisation mit dem Untergang droht, während er gleichzeitig den Preis für die Befriedung des Planeten fordert — dann ist vielleicht nicht Norwegen das Problem.
Dann ist es das Konzept von "Frieden".
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