Es gibt Menschen, die drehen die Fahne nach dem Wind. Und es gibt Gil Ofarim, der dreht gleich das ganze Windrad – vorzugsweise dort, wo Kameras stehen. Früher Hotel-Lobby, heute Dschungelprüfung. Damals Empörung, heute „Missverständnis“. Fortschritt nennt man das. Oder Rebranding.
Erinnern wir uns kurz an die David-Stern-Affäre: große Bühne, großes Drama, großer Zeigefinger. Ein Vorwurf, der einschlug wie ein Blitz – nur ohne anschließenden Donner der Wahrheit. Am Ende ein Geständnis. Zack. Verfahren beendet. Kosten? Nun ja, die wurden nicht im Hotel abgerechnet, sondern beim Steuerzahler. Der durfte zahlen, ganz still und brav. Applaus aus der Ferne.
Und jetzt? Jetzt sitzen wir mit Gil im australischen Busch. Zwischen Reis mit Bohnen und Kakerlaken-Carpaccio erleben wir eine erstaunliche Metamorphose: Das Geständnis war irgendwie doch keines. Also schon, aber halt gefühlt anders. Quasi ein Geständnis light. Ein „Ich hab’s gesagt, aber so meinte ich’s nicht“. Juristisch ein Kunstwerk, rhetorisch ein Origami. Das ist ungefähr so, als würde jemand sagen: „Ja, ich habe den Kuchen gegessen – aber nur symbolisch.“ Oder: „Ich bin gegen die Wand gefahren, aber emotional war das eher ein Kreisverkehr.“ Fakten? Ach was. Gefühle sind die neuen Beweise.
Das wirklich Faszinierende ist weniger der Mann als das System:
Skandal → Aufmerksamkeit → Rückzug → Comeback → Reality-TV → Revision der Realität.
Ein ewiger Kreislauf, irgendwo zwischen Waschmaschine und politischer Talkshow. Im "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" wird nun öffentlich nachjustiert. Vor laufender Kamera. Denn wenn man schon die Wahrheit biegt, dann bitte mit Publikum. Und Dramamusik. Vielleicht gibt’s bald die Extended Version: Director’s Cut des Geständnisses. Mit Bonusmaterial und Audiokommentar.
Was bleibt? Ein schaler Nachgeschmack – und die leise Erkenntnis, dass man mit genügend Sendezeit selbst aus einem Widerruf noch einen Karriereplan stricken kann. Der Steuerzahler hat gezahlt, das Image wird neu lackiert, und irgendwo im Dschungel sitzt ein Mann und erklärt uns, dass Schwarz eigentlich Weiß ist, nur mit mehr Emotion.
Ironie des Ganzen:
Im Dschungelcamp geht es darum, Prüfungen zu bestehen.
Die eigentliche Prüfung – Verantwortung – wurde elegant umgangen. Aber keine Sorge: Sollte das alles wieder nicht so gemeint gewesen sein, gibt es bestimmt bald eine neue Staffel. Oder ein neues Geständnis. Oder beides. 🌴😉
Foto: Stern.de