Es ist wieder Dschungelzeit.
Nicht die Zeit der Selbsterkenntnis.
Nicht die Zeit der Grenzerfahrung.
Sondern die Zeit der Garantiesummen.Denn was RTL hier veranstaltet, ist kein Reality-Format, sondern ein Rettungsschirm für Promi-Konten, kurz bevor der Gerichtsvollzieher klingelt und fragt, ob der Bentley vielleicht doch schon finanziert ist.
Das Wort des Jahres lautet: Garantiesumme.
Keine Zielvereinbarung.
Keine Leistungsparameter.
Kein Bonus-Malus-System. Egal ob jemand:
👉 Das Geld fließt trotzdem. In jeder anderen Branche hieße das:
„Sie kommen nicht zur Arbeit, leisten nichts – hier sind trotzdem 150.000 Euro.“
Man nennt es dort Kündigungsgrund.
Im Dschungel nennt man es Castingkonzept.
Oder wie viele sie kennen:
„Nicole… irgendwas… aus… na… damals…“Ja genau, Marienhof.
Für alle unter 60: Das war eine tägliche Fernsehserie, bevor Netflix erfunden wurde – so etwas wie TikTok, nur mit Dialogen und ohne Filter.
Wer Nicole heute kennt, hat entweder:
Gage: ordentlich.
Aktuelle Relevanz: nostalgisch.
Berufsbezeichnung: Ex-Frau
Zusatzausbildung: Ex-Frau eines sehr bekannten Mannes. Die Frage sei erlaubt:
Ist sie – abgesehen vom Präfix „Ex“ – noch irgendetwas anderes?
Schauspiel? Musik? Sport?
Nein. Aber das reicht heutzutage vollkommen aus, um im Dschungel mehr zu verdienen als ein Krankenpfleger im Jahr.
Einst Model.
Dann Ehefrau.
Dann Ex-Ehefrau.
Dann Medienpräsenz auf Stand-by. Man könnte fast meinen, das Dschungelcamp sei weniger Show als Auffangbecken für Lebensläufe im Energiesparmodus.
Aktuell gilt im Camp:
Leistung? Optional.
Würde? Verhandelbar.
Warum nicht ehrlich?
👉 1.000 Euro für alle
Wer mehr verkauft, verdient mehr.
So einfach.
So marktwirtschaftlich.
So ehrlich. Alles andere ist nur moralisches Bio-Label auf einer Dose mit Maden.
Nein.
Niemand wollte sich selbst kennenlernen. Man wollte:
Der einzige, der hier wirklich an Grenzen geht, ist die Selbstachtung – und die wird pauschal mitvergütet.
Das Dschungelcamp ist keine Mutprobe.
Es ist eine Inkasso-Vermeidungsshow. Und solange man mit dem Verzehr fremder Körperteile mehr verdient als mit echter Arbeit, sollte niemand fragen, warum sie dort sind – sondern nur, wie viel Würde noch im Sonderangebot ist.
Daher: Sie sind keine Stars..... lasst sie drin !
Foto: Tagesspiegel