Es gibt Menschen, die auswandern, weil sie eine neue Kultur kennenlernen wollen.
Andere wandern aus, weil sie das Meer lieben.
Und dann gibt es eine ganz besondere Spezies: den deutschen YouTuber in Dubai. Diese Spezies verlässt Deutschland aus einem sehr spirituellen Grund:
Der spirituellen Nähe zur Zahl Null. Genauer gesagt: 0 % Einkommensteuer. Dubai ist für Influencer ungefähr das, was für Rentner Mallorca ist – nur mit mehr Lamborghinis und weniger Steuerformularen.
Die Argumentation vieler Influencer war jahrelang ungefähr so stabil wie ein Selfiestick im Sandsturm: „Deutschland nimmt mir zu viele Steuern weg. “Was sie dabei meinen ist:
Der Staat erlaubt ihnen zwar Straßen, Internet, Krankenhäuser, Polizei, Schulen und Flughäfen zu nutzen, aber er erwartet im Gegenzug tatsächlich Geld. Eine ungeheure Frechheit. Also zog man in die Wüste. Nicht wegen der Hitze. Nicht wegen der Kultur. Sondern wegen einer sehr seltenen Oase:
Dem steuerfreien Influencer-Paradies. Dort konnte man endlich das tun, wofür Influencer geboren sind:
Was sie dabei nicht erwähnten:
Am meisten hilft es, wenn das Finanzamt 4.500 Kilometer entfernt sitzt.
Doch plötzlich geschah etwas, das nicht ins Storyboard passte. Raketen. Tatsächlich stellte sich heraus, dass die Weltpolitik nicht nach dem Instagram-Algorithmus funktioniert.
Im Nahen Osten wurde es unruhig – und plötzlich waren Explosionen am Himmel zu sehen. Die Influencer reagierten darauf ungefähr so wie Katzen auf einen Staubsauger. Innerhalb weniger Stunden verwandelten sich die selbsternannten digitalen Nomaden in digitale Notfälle. Plötzlich hieß es: „Die Bundesregierung muss uns hier rausholen!“ Das ist ungefähr so, als würde jemand das Restaurant verlassen, weil ihm die Preise zu hoch sind und anschließend verlangen, dass der Koch ihn kostenlos nach Hause fährt.
Man kann sich das Gespräch etwa so vorstellen:
Influencer: „Hallo Deutschland, ich brauche Hilfe!“
Deutschland: „Du bist doch freiwillig gegangen.“
Influencer: „Ja, wegen der Steuern.“
Deutschland: „Und jetzt?“
Influencer: „Jetzt hätte ich gern den Service.“
Deutschland: „Welchen Service?“
Influencer: „Den für Leute, die Steuern zahlen.“
Doch dann passierte etwas noch Interessanteres. Offenbar fanden die Gastgeber in Dubai diese Panikvideos ungefähr so charmant wie einen Influencer mit Ringlicht im Beduinenzelt. Und plötzlich änderte sich der Ton. Innerhalb weniger Stunden verwandelten sich die gleichen Menschen, die vorher noch nach Evakuierungsflügen riefen, in offizielle Botschafter der inneren Sicherheit Dubais. Die Videos klangen jetzt etwa so: „Leute, alles total safe hier.“ „Dubai passt auf uns auf.“ „Hier ist es eigentlich sicherer als überall sonst.“ Ein Meinungswechsel, der ungefähr so glaubwürdig wirkt wie ein Fitness-Influencer, der nachts heimlich Nutella löffelt.
Die Forschung unterscheidet inzwischen drei Phasen:
Phase 1 – Steuerflucht „Deutschland ist unfair!“
Phase 2 – Raketenphase „Deutschland, rette mich!“
Phase 3 – Scheich-Phase „Dubai ist das sicherste Land der Welt.“
Dieser Übergang geschieht oft schneller als ein TikTok-Trend.
Das Ganze erinnert ein bisschen an jemanden, der:
Nur dass die Eltern in diesem Fall der deutsche Steuerzahler sind.
Der ideale Zustand wäre für viele offenbar folgender:
Das ist ungefähr so, als würde man sein Auto verkaufen, um keine Versicherung mehr zu zahlen, aber bei einem Unfall trotzdem verlangen, dass die Versicherung bitte sofort erscheint.
Influencer nennen sich gern Selfmade-Millionäre. Aber in Wahrheit handelt es sich oft um eine neue Spezies: Den steueroptimierten Patrioten. Er liebt Deutschland –
solange Deutschland gerade ein Flugzeug schickt. Und wenn gerade kein Flugzeug kommt? Dann setzt er sich an den Pool, startet die Kamera und sagt: „Leute, keine Sorge. Dubai passt auf uns auf.“ Natürlich. Denn jeder weiß: Der sicherste Ort der Welt ist immer dort, wo der Lamborghini vor der Kamera steht und das Finanzamt nicht im Bild ist.
Foto: RND