Sport, Politik, Gesellschaft ... ironisch betrachtet
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Der ewige Manu...

oder das ewige DFB - Torwartpuzzle

 

Julian Nagelsmann und Manuel Neuer – das ist inzwischen eine Beziehung wie bei einem geschiedenen Ehepaar, das sich nach Jahren plötzlich wieder auf Familienfeiern begegnet. Erst flogen verbal die Schneebälle, dann die Ski-Verbote, dann die Torwarttrainer – und jetzt steht plötzlich wieder die gemeinsame Weltmeisterschaft im Raum. Fußballromantik auf deutsche Art: frostig, kompliziert und mit Pressekonferenz.

Dabei hatte Manuel Neuer seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft eigentlich ziemlich eindeutig erklärt. Das klang damals nicht nach „Vielleicht sehen wir uns nochmal“, sondern eher nach „Ich wünsche euch alles Gute auf eurem weiteren Weg“. Im normalen Leben wäre das abgeschlossen gewesen. Wenn jemand im Büro seinen Abschied feiert, den Firmenausweis abgibt und den Kollegen eine Abschiedsmail schreibt, rechnet auch keiner damit, dass er sechs Monate später plötzlich wieder am Kaffeeautomaten steht mit den Worten: „War nur ein Sabbatical.“

Doch dann kam Nagelsmann ins aktuelle Sportstudio – und statt eines klaren „Nein“ gab es das berühmte Fußball-Sprech der deutschen Nationalmannschaft. Also jene Sprache, bei der ein Satz mit 47 Wörtern letztlich bedeutet: „Vielleicht schon. Vielleicht nicht. Kommt drauf an, wer sich verletzt, wie die Stimmung ist und ob die Bild-Zeitung gerade gute Schlagzeilen braucht.“

Besonders spannend ist dabei die Rolle von Oliver Baumann. Offiziell die Nummer 1. Praktisch wirkt er momentan aber wie der Interimsmanager einer Firma, dessen Bürotür jederzeit wieder abmontiert werden kann, sobald der ehemalige Chef Lust auf ein Comeback bekommt.

Baumann erinnert ein wenig an jene Zweitbesetzung bei Theaterstücken, die plötzlich großartig spielt, minutenlangen Applaus bekommt – und dann erfährt: „Vielen Dank. Morgen kommt übrigens der eigentliche Star zurück.“
Man könnte ihm theoretisch schon ein Trikot mit der Aufschrift „Bis auf Widerruf“ drucken.

Die gesamte Situation hat etwas von einer königlichen Thronfolge. Baumann sitzt bereits auf dem Thron, hält das Zepter in der Hand und versucht staatsmännisch zu wirken – während hinter dem Vorhang plötzlich wieder Neuer auftaucht und leise hustet. Sofort geraten alle in Panik:
„Hat jemand den roten Teppich noch?“
„Ist der König wirklich zurück?“
„Und wer sagt es jetzt Baumann?“

Dabei wäre ein Neuer-Comeback typisch deutscher Fußball. Der Rücktritt eines Nationalspielers ist hierzulande nämlich ungefähr so endgültig wie ein „letztes Mal“ bei Dieter Bohlen oder der Abschied von Thomas Gottschalk. Man geht kurz, schaut sich draußen um und kommt dann doch wieder zurück, weil die Bühne einfach zu schön beleuchtet ist.

Und Nagelsmann? Der wirkt inzwischen wie ein Mann, der beim Familienessen zwischen zwei streitenden Verwandten sitzt und verzweifelt versucht, niemanden zu beleidigen. Sagt er klar „Nein“ zu Neuer, explodiert die Torwart-Debatte. Sagt er „Ja“, fühlt sich Baumann vermutlich wie ein Leasingfahrzeug kurz vor der Rückgabe.

Die eigentliche Pointe wäre allerdings, wenn Neuer tatsächlich mit zur WM fährt – und Baumann am Ende trotzdem spielt. Dann hätte Deutschland erstmals einen Ersatz-Ersatztorwart mit Starterlaubnis und einen Ex-Rücktritts-Torwart als moralische Sicherheitsreserve auf der Bank.

Aber genau deshalb lieben wir Fußball. Nicht wegen Taktik oder Spielsystemen. Sondern weil er manchmal wirkt wie eine Mischung aus Daily Soap, Betriebsversammlung und königlichem Erbdrama – nur mit mehr Torwarthandschuhen.